Wie funktioniert ein VillageTown?
Im VillageTown gibt es bis zu 20 verschiedene Stadtviertel, in deren Zentren sich die so genannten Piazzas befinden. Ein Viertel besteht aus ungefähr 200 Wohneinheiten und 50 Arbeitsstätten in Form von Werkstätten, Geschäften und Läden. Die VOC (Village Organising Company) unterhält auf jeder Piazza auch eine Kultureinrichtung in Form einer ‚Artist Guild Hall’, um das kulturelle Leben und die Kreativität zu fördern. Die kulturell und künstlerisch tätigen BewohnerInnen bestimmen über Art und Umfang ihres Schaffens und haben ein Recht auf finanzielle Unterstützung seitens der VOC.
Wenn man in ein VillageTown zieht, entscheidet man sich für eine Piazza, dh. für ein Viertel, das einem bzw. einer besonders zusagt und man gestaltet es von Anfang an mit. Jede Piazza bekommt dadurch ihren besonderen Charakter. Es wird ruhige und stille Viertel geben, ebenso wie rührig und lebendige. Arbeitsplätze gibt es entweder in einem eigenen Geschäft oder Laden, oder man wird von jemanden angestellt, sei es in einer der Firmen innerhalb der Stadt oder in einem der größeren Unternehmungen im Industrie- und Gewerbegebiet, das außerhalb der Stadtmauern liegt. Je höher die Kundenfrequenz eines Geschäfts, desto zentraler wird es auch gelegen sein. Einige werden Geschäfte betreiben, die Gelder von außen in die Stadt bringen; andere werden dafür sorgen, dass die Gelder innerhalb der Stadt immer wieder und wieder ausgegeben werden. Einige wenige werden vielleicht auch zu ihrem Arbeitsplatz auspendeln müssen. Für wieder andere wird es notwendig sein, regelmäßig Geschäftsreisen zu unternehmen. Deshalb ist es wichtig, dass die Stadt, das VillageTown, nicht weiter als zwei Stunden vom nächsten Flughafen entfernt ist.
Die VOC ist auch die Bauträgerin und wird die Planung und Errichtung des PV koordinieren. Hauptsächlich handelt es sich um verdichteten Wohnbau, wobei anstelle der klassischen Reihenhäuser, die Gebäude im PV mit ihrer Breitseite zur Straßenseite platziert werden. Daher werden sie sonniger und bequemer. Jedes Viertel kann den vorherrschenden Stil selbst definieren und entscheidet somit auch über den jeweiligen Charakter. Soweit wie möglich werden die BewohnerInnen eines Viertel bereits von Anbeginn der Planung mit einbezogen. Sie sollen ihrem Viertel ihre eigene Note geben. Nur so wird die Stadt zu einem charakterreichen, authentischen Ort. Der Preis errechnet sich aus der Größe der Wohneinheit plus Sonder- und Zusatzleistungen.
Für Leute, die aufgrund ihrer besonderen Lebensumstände (Alter, Beruf) kein Eigentum erwerben können, bietet das PV geförderte Wohnungen an. Dieser Parallelmarkt wird einer bestimmten Zielgruppe (unter 25, über 65, Kunstschaffende, etc..) zugeordnet, bleibt als fixes Kondigent bestehen und verbleibt innerhalb der jeweiligen Zielgruppe.
Innerhalb der Stadtmauern besteht strengstes Autoverbot. Aber natürlich kann jemand so viel Autos besitzen wie er oder sie möchte. Dazu kann ein Parkplatz gekauft oder angemietet werden. Mietautos im Eigentum der Genossenschaft stellen eine weit günstigere Konkurrenz zum Privatauto dar, und wir gehen davon aus, dass es deshalb wenige Autos im Privatbesitz geben wird. Menschen mit mobiler Beeinträchtigung können sich innerhalb der Stadt mit kleinen Elektroscootern fortbewegen. Selbstverständlich stellen Rollstühle und Fahrräder kein Problem dar.
Für Schulkinder werden die Klassenzimmer und Unterrichtsräume auf die gesamte Stadt verteilt sein. Das spart einerseits kostspielige und über lange Zeiträume hinweg leer stehende Gebäude und andererseits sind die Kinder und Jugendlichen in den Alltag der Stadt besser integriert. Das Gleiche gilt auch für die Sport- und Freizeitanlagen, die von allen BewohnerInnen genutzt werden können, da sie sich ja im Besitz der Gemeinschaft bzw. Genossenschaft befinden. Die zeitliche Einteilung ist lediglich eine Frage der Organisation und mithilfe der moderner Informationstechnologie sicher kein Problem. Auch die Artist Guild Halls werden in diesem Sinne synergetisch genutzt.
Ein wesentlicher Aspekt im Zusammenleben ist der Ausgleich zwischen öffentlicher und privater Sphäre. Viele BewohnerInnen von Kleinstädten klagen über den Mangel an Privatspäre. Die Mauren im mittelalterlichen Spanien haben hierzu eine gute Lösung gefunden. Sie haben einfach hohe Gartenmauern errichtet. Das öffentliche Leben spielt sich ohnehin auf der Piazza ab, wo es auch Sitzmöglichkeiten gibt. Hier muss man natürlich auf klimatische Gegebenheiten besonders Rücksicht nehmen und architektonisch öffentliche Räume so gestalten, dass sie auch in der kälteren Jahreszeit benutzerfreundlich sind.
Die lokale Kreislaufwirtschaft ist ein essenzieller Teil des Erfolgs eines PV. Während wir zu den potenziellen BewohnerInnen immer näheren Kontakt pflegen, werden wir zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Berufs- und Tätigkeitsliste erstellen. Für die erfolgreiche Ausübung mancher Berufe und Geschäfte ist eine kritische Masse an potenziellen KundInnen ausschlaggebend. Zum Beispiel braucht ein Uhrmacher bzw. eine Uhrmacherin einen Einzugsradius von mindestens 5.000 Personen. Wenn sich jetzt zehn UhrmacherInnen im PV niederlassen möchten werden höchst wahrscheinlich nicht alle ihren Beruf erfolgreich ausüben können. Wie werden wir mit so einer Situation fertig? Unser Vorschlag ist, die zehn UhrmacherInnen an einen Tisch zu setzen um für sich selbst eine Lösung finden zu können. Wir werden keinesfalls diktatorisch vorgehen. Wir werden jedoch sicher stellen, dass alle Betroffenen wissen, worauf sie sich einlassen, bevor sie sich für ein PV entscheiden.
Zu Planungsbeginn wird die VOC (Village Organising Company) InvestorInnen ausfindig machen, um das Projekt vorwärts zu bringen. Allerdings versteht sich ein PV nicht als Spekulationsgeschäft. Weil alle BewohnerInnen in die Planung des PV eingegliedert werden müssen – es geht schließlich um bauliche Maßnahmen, um Stil und ‚Geschmack’ – und weil aus wirtschaftlichen Überlegungen alle möglichst zum gleichen Zeitpunkt einziehen sollen, wird sich die Finanzierung der Eigentumswohnungen und Häuser im PV ähnlich dem Privathausbau gestalten. 100 prozentig gleich wie beim „Häuslbauen“ wird es sich aber doch nicht abspielen. Der Bau muss wesentlich rascher vonstatten gehen, als der sich oft über Jahre ziehende Bau eines klassischen Eigenheims. Unser Ziel ist, in mindestens 12 Monaten 4.000 Wohneinheiten zu errichten – jedes mit ihrem eigenen Charakter und mit allen einzelnen Details. Bei der Bauausführung findet eine andere Methode, als die in Österreich sonst übliche, Anwendung. Das bedeutet aber für alle InteressentInnen, dass wir rechtzeitig über deren Kreditwürdigkeit informiert sein müssen. Grundsätzlich können alle ihre Finanzierung nach ihrem Gutdünken gestalten, wir werden jedoch ebenfalls eine Finanzierungsmöglichkeit anbieten.
Zur Vertiefung kann ein Exemplar des Buches How to Build a Village im Internet bestellt werden. (s. "Buch erwerben" im Hauptmenü.) Das Buch ist im Augenblick leider nur auf Englisch erhältlich. Weitere Informationen gibt es unter This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it .



